Lieber marctrix,
Sie sind aber biologisch betrachtet entweder Mann oder Frau!
Nein, eben nicht - und damit bricht der ganze Rest Deiner Argumentation zusammen.
woher nimmst Du die Sicherheit bei Deinem Nein? Bist Du Biologe?
Mir hat eine Biologin erklärt, dass das menschliche Wesen zunächst ein weibliches ist. Sollte beim 23. Chromosomenpaar ein Chromosom unvollständig sein, also anstelle von einem X ein Y haben, dann wird ein männliches Individuum daraus, da das Y-Chromosom für wesentliche Anteile bei der Bildung des männlichen Sexualhormons Testosteron verantwortlich ist. Fehlt das Chromosom gänzlich (X0-Typ), bleibt das weibliche Wesen.
Das ist die Biologie. Sie kennt eine Default-Einstellung beim Menschen: weiblich. Wenn das jemand aber genauer erklären kann, und zwar wissenschaftlich fundiert und mit einer unter Biologen als unzweifelhaft geltenden Erkenntnislage, dann möge er oder sie mich korrigieren.
Ganz einfach: da es keinen auf sie spezialisierten Arzt gibt, werden sie zum Mediziner ihres Vertrauens gehen, vermutlich dem Hausarzt und bestenfalls auf dessen Empfehlung (Urologe oder Gynäkologe) hören.
Dieses "ganz einfach" ist eine sehr gefährliche Denkweise, wenn es um biologische Fakten geht. Insbesondere dann, wenn eine gesicherte Faktenlage ignoriert wird. Es ist eben alles andere als "ganz einfach"!
Also weißt auch du, es gibt nicht nur männlich und weiblich.
Das ist falsch! Und Du darfst den Artikel gerne genauer lesen, denn dort steht:
Intersexualität bezeichnet zusammenfassend sehr unterschiedliche klinische Phänomene und Krankheiten mit unterschiedlichen biologischen Ursachen, so beispielsweise Abweichungen der Geschlechtschromosomen oder genetisch bedingte hormonelle Entwicklungsstörungen. (Wikipedia)
Wir halten fest: Störungen und Krankheiten. Alles völlig natürlich. Und weiter steht da auch:
Die Internationale Klassifikation der Krankheiten ICD-10-GM-2014 der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nennt in Kapitel XVII (Angeborene Fehlbildungen, Deformitäten und Chromosomenanomalien) auch angeborene Fehlbildungen der Genitalorgane, insbesondere ein unbestimmtes Geschlecht und Pseudohermaphroditismus. (Wikipedia)
Wenn hier von "Deformitäten" und "Anomalien" gesprochen wird, muss es eine Norm geben, von der hier abgewichen wird.
Dann steht da noch:
Betroffene Menschen lehnen zumeist den pathologisierenden medizinischen Begriff der Störung ab und bezeichnen sich selbst als intersexuelle Menschen, Intersex, intergeschlechtliche Menschen. Auch die Bundesärztekammer spricht seit 2015 nun von „Varianten/Störungen der Geschlechtsentwicklung“, um eine aus Sicht der Betroffenen diskriminierende Pathologisierung zu vermeiden. (Wikipedia)
Also wird wieder Sprache geändert, um eine aus Sicht der Betroffenen diskriminierende Pathologisierung zu vermeiden. Es bleibt aber ganz offensichtlich bei Abweichungen von einer vorhandenen Norm. Wer will mir hier unbedingt weiß machen, dass es eine solche nicht gäbe??
Weiter interessiert der Abschnitt "Biologische und medizinische Aspekte":
Für die medizinische Diagnose „Transsexualität“ ist Intersexualität im ICD 10 daher formal ein Ausschlusskriterium. Mit dem DSM V und dem Begriff „Gender Dysphorie“ änderte sich dies und Intersexualität (DSD) wurde ins Buch der psychischen Störungen aufgenommen. (Wikipedia)
Intersexualität ist also eine psychische Störung. Alles ganz normal und die Welt geht deswegen nicht unter? Mein Argument mit dem Therapeuten war wohl nicht so ganz unbegründet, oder lässt mich hier meine Lesekompetenz wieder einmal im Stich?
Wer es noch genauer wissen will, liest im Kapitel Ursachen weiter, in dem die verschiedenen "Spielweisen der Natur" (mein Begriff für die Vielfalt an möglichen Abweichungen) genauer beschrieben werden. Es geht immer um Mann oder Frau, niemals aber darum, dass es unmöglich sei, sich diesbezüglich festzulegen.
Aber mein Angebot steht: Wer sich in der Biologie sehr gut auskennt und mir das besser erklären kann, darf mich gerne vom Gegenteil überzeugen. Am besten dieser jemand verbessert dann gleich noch den Wikipedia-Artikel mit.
Wenn die menschliche Spezies sich fortpflanzen will, dann gelingt das nur mit der binären Form.
Hat aber nichts damit zu tun. Dazu kann halt nicht jeder beitragen.
Das ist offensichtlich von der Ideologie beseelt, dass Geschlecht (Biologie) und Lebensweise ("Gender" - Psyche) nichts miteinander zu tun hätten und deshalb voneinander völlig unabhängig seien. Das sind sie erwiesenermaßen aber nicht! Die Psychologische Forschung hat das in den 60ern (der Zeitraum mag sehr ungenau sein - ich bin weder Psychologe noch Psychiater) zweifelsfrei als miteinander zusammenhängend erforscht und festgestellt. Du hast also nicht recht.
Das GG ist älter als das Wissen um Intersexualität, ist also als Argument hier unbrauchbar.
Ich bezog mich auf eine Tradition, die dem Überleben unserer Spezies geschuldet ist. Die darfst Du gerne ablehnen und in die Tonne treten. Das ändert aber nichts an ihrer Gültigkeit.
Warum leugnest auch Du eine längst von der biologischen Forschung zweifelsfrei ermittelte und in der menschlichen Geschichte über Jahrtausende bekannte Wahrheit? Wegen der möglichen genetischen "Unfälle"?
Ja (also ich zumindest), denn die sorgen dafür, dass ein Mensch eben nicht männlich oder weiblich ist. Sondern etwas anderes.
Das ist das Problem mit Ideologien: Sie machen die Menschen unempfänglich für Fakten. Sehr schade.
Liebe Grüße,
Felix Riesterer.