Hallo Raik,
du bringst mich in Verlegenheit. Dein Lob über Demokratie schweizerischer Prägung ist Wohlklang in meinen Ohren. Allein, es entspricht nicht der Realität. Dieses Modell der direkten Demokratie funktioniert in der Schweiz, jedenfalls noch halbwegs. Das würde in Deutschland weder funktionieren, noch würde es irgendwelche Probleme lösen. Die Gründe, welche die "Väter" des Grundgesetzes hatten, Volksabstimmungen nach dem Muster der schweizerischen Verfassung nicht zu übernehmen, sind zum grossen Teil immer noch stichhaltig.
Deine Vorstellungen von notwendigen Veränderungen greifen zu kurz, wenn du diese schwerpunktmässig auf die Geldwirtschaft und die Idee von zinslosem Kapital beschränkst. Das war schon ein wesentlicher Streitpunkt während der Reformation. Für Luther waren Zinsen gänzlich des Teufels, für Zwingli 5% noch christlich, aber der gehörte auch der Zürcher Regierung an. In der Schweiz existiert eine solche parallel Währung (WIR), sie verursacht den Beteiligten eigentlich nichts als hohe Kosten und viel Ärger.
Sicher haben Wähler bei der Wahl von Politikern eigentlich gar keine so richtige Wahl. Aber dies ist nur ein kleiner Teil des politischen Geschehens. Und an diesem politischen Geschehens kannst du dich aktiv beteiligen oder auch nicht. Wann hast du zum letzten Mal mit dem Bundestagsabgeordneten deines Wahlkreises gesprochen? Und mal ganz direkt gefragt, bist du wirklich überzeugt, es wäre alles besser, wenn du Bundeskanzler wärst?
Beste Grüsse
Richard