Hallo Raik,
weil der kapitalbesitzer zwar heute mit dem zurückhalten des geldes den zins beeinflussen kann, die umlaufgebühr aber nicht. (wobei "zurückhalten" eigentlich nicht das richtige wort ist. er wird vielmehr sein geld anderswo auf der welt anlegen, wenn er hier weniger zinsen bekommt. damit fehlt das geld aber hier im umlauf.)
Du verknüpfst hier die angestrebte Wirkung mit der falschen Ursache. Du willst, dass kein Kapital aus Deutschland abfliesst, sondern im Land zur Verfügung steht. Dann musst du den Kapitaltransfer wirksam unterbinden. Mit zinslosem Geld hat dies zunächst wenig zu tun. Mit Devisenkontrollen wurde so etwas lange versucht. Wenn ich in den 60er Jahren 500 DM von Deutschland in die Schweiz überweisen wollte, brauchte ich eine Genehmigung der Landeszentralbank. Grundsätzlich stimme ich dir schon zu, dass dieser freie Kapitaltransfer im elektronischen Zeitalter nicht unproblematisch ist. Ein paar Hundert Millionen Dollar können innert weniger Sekunden ein Dutzend Mal gekauft und verkauft und natürlich dabei in EUR, YEN oder CHF umgerechnet werden. Aktien in Milliardenbeträgen können innert Millisekunden den Besitzer wechseln. Die Firmen interessieren nicht mehr, nur noch der Kursgewinn (oder -verlust ;-)).
Dennoch ist das lediglich das kleinere Übel. Mit deinem zinslosen Geld wäre die Katastrophe vorprogrammiert. Dann wäre nämlich das Horten des Geldes unter dem Kopfkissen eine prima Alternative. Jetzt kommt niemand (jedenfalls fast) auf die Idee eine Million oder auch nur ein paar Tausend Euro in Banknoten zu horten. Das Geld soll ja Zinsen bringen, oder sinnvoll eingesetzt werden, ansonsten verliert es an Wert. Für das Geldsystem ist aber das Horten von Banknoten deshalb katastrophal, weil die Geldmenge unkontrollierbar wird.
Einen lieben Gruss aus dem http://www.emmental.ch
Richard