Moin!
und wenn dann in ein paar jahren überall nur noch beschäftigungsverhältnisse existieren, die eigentlich nur das heutige modell der zeitarbeitsfirmen universell und in allen arbeitsbereichen abbilden - hire & fire; für ein paar monate kurzfristige einstellungen; wenn dann der "berg" an arbeit wieder halbwegs abgebaut ist, "und tschüss" - tja, dann wird sich vielleicht der ein oder andere ein bisschen wundern.
Das Spannende ist doch, dass es im Prinzip auch heute schon die Möglichkeiten gibt, für kurzfristigen Arbeitsüberhang auch kurzfristig Arbeitskräfte einzustellen und ebenso kurzfristig wieder los zu werden.
Denn auf der einen Seite existiert natürlich die Möglichkeit, ein Arbeitsverhältnis zeitlich zu befristen. Damit ist dann nach spätestens zwei Jahren Schluß mit dem Verhältnis. Nun ja, blöd wirkt natürlich das Unvermögen, den Mitarbeiter ggf. auch noch früher loszuwerden, und der Zwang, ihn nach zwei Jahren (egal ob das ein ununterbrochenes oder mehrere aneinandergereihte Verträge waren) tatsächlich erstmal loswerden zu müssen, weil er sonst auf ein unbefristetes Arbeitsverhältnis klagen kann.
Auf der anderen Seite existieren Zeitarbeitsfirmen, die einem ja wohl offensichtlich wirklich für drei Tage eine Sekretärin oder für 3 Monate einen Call Center Agent ins Haus schicken können. Das Problem ist nur, dass derartige Arbeitskräfte im Verhältnis zum selbst vertraglich angebundenen Mitarbeiter wesentlich teurer sind, denn die Zeitarbeitskräfte kriegen auch dann Geld (allerdings doch erheblich weniger, als ein festangesteller Arbeitnehmer), wenn sie nicht irgendwo arbeiten - das muß also in einer Mischkalkulation einfließen.
Dass es trotzdem so viele Arbeitslose gibt, liegt sehr wahrscheinlich einfach daran, dass es ein Mißverhältnis zwischen dem Angebot an Arbeitsplätzen und dem Angebot an Arbeitskräften gibt. Und ich befürchte, dieses Mißverhältnis ist einfach bedingt durch unsere derzeitige Unternehmensstruktur.
Um nur mal ein paar dieser paradoxen Statements (denen man natürlich Stammtischniveau vorwerfen kann) wieder ins Gedächtnis zu rufen:
- Niemand würde heutzutage seinem Kind ernsthaft empfehlen, einen Realschulabschluß zu machen (vom Hauptschulabschluß mal ganz zu schweigen). Abitur ist Pflicht, am besten danach noch ein Studium, um die Arbeitsplatzchancen nicht gleich grundsätzlich zu versauen.
- Folgerichtig wird ja auch über die mangelnde Schulbildung von potentiellen Lehrlingen gejammert, die zwar Hauptschulabschluß haben, aber teilweise schon mit dem Schreiben ihres eigenen Namens überfordert sind.
- Andererseits werden Überqualifizierte von Unternehmen nur äußerst ungern eingestellt. Der Dipl.Ing., 45 Jahre, seit drei Jahren arbeitslos, und zu jeder vernünftigen Tätigkeit bereit, dürfte mit Sicherheit ein Problem haben, als Hausmeister irgendwo genommen zu werden.
- Aber trotzdem wird gerufen, man müsse den Druck auf faule Arbeitslose erhöhen, dass sie jede ihnen gebotene Stelle auch annehmen müssen. Wie soll das funktionieren, wenn es auf der einen Seite für die Bildungsverlierer mit Hauptschulabschluß keine wirkliche Perspektive auf einen Job gibt, und die gut Qualifizierten aus genau den umgekehrten Gründen nicht wirklich einen Job finden?
Und von der anderen Seite her betrachtet gibt es immer wieder Berichte über Unternehmen, die wirklich gerne wachsen würden, aber keine geeigneten Bewerber finden. Zum einen, weil sich wirklich absolut niemand meldet, zum anderen weil sich nur ungeeignete Bewerber melden (bei letzterer Konstellation kann man aber natürlich auch kritisch hinterfragen, warum die Bewerber dem Unternehmen denn jeweils nicht gefallen, kann ja auch ein nahezu unefüllbares Stellenprofil sein, oder eine dafür unangemessen niedrige Bezahlung).
Dummerweise habe ich leider das ganz große Gefühl, dass die Politik an dieser Zusammensetzung der Situation wenig verändern kann. Politik selbst schafft keine Arbeitsplätze, das ist die Aufgabe der Unternehmen (und sofern der Staat als Unternehmen auftritt, ist das als Sonderfall zu betrachten). Unternehmen stellen (eventuell) aber Menschen nur dann ein, wenn sie aufgrund der Auftragslage ihr Wachstum nicht mehr anders realisieren können. Irgendein netter Wirtschaftstheoretiker namens Keynes hat sich ja deswegen überlegt, dass es schlau sei, in Zeiten des wirtschaftlichen Abschwungs als Staat verstärkt Aufträge an die Wirtschaft zu vergeben und sich zu verschulden, während man sich im Aufschwung das geliehene Geld dann wieder einverleibt, insbesondere um einen Boom abzumildern.
Nun ja, wie gut dieser zweite Teil des Plans funktioniert hat, sieht man ja am allgemeinen Staatshaushaltsniveau. Die Schulden sind beständig gestiegen, und auch der gute Herr Eichel hatte in seinen ersten Plänen lediglich davon gesprochen, die Neuverschuldung auf Null zu bringen. Und ehrlich gesagt sehe ich auch bei einer CDUFDP-Regierung da kaum Chancen auf Besserung. Denn obgleich es ja verlockend klingen mag (zumindest für die CDU, evtl. auch für deren Wähler), mit einer gleichzeitigen Bundestags- und Bundesratsmehrheit ungehindert ihre eigene Vorstellung von Reformen durchzusetzen, so wird diese Aussicht sich trotzdem nicht so einfach in die Tat umsetzen lassen. Denn Bundesratsmehrheit hin oder her - sobald die Bundesländer weniger Geld kriegen sollen, wird das Gehacke, auch wenn alle Hühner aus dem gleichen Stall kommen, sofort wieder losgehen. Man bedenke, dass Frau Merkel Kritiker auch in den eigenen Reihen hat. Und was passiert, wenn diese internen Kritiker in einer günstigen Situation zuschlagen, hat man ja unlängst erst bei Frau Simonis gesehen.
Oder glaubt jemand ernsthaft, das CSU-Bayern als einer der Nettozahler könnte sich, auch wenn alle anderen Bundesländer CDU-regiert wären, zusammen mit einer CDUCSUFDP-Bundesregierung des Länderfinanzausgleichs entledigen? :)
- Sven Rautenberg